Die Sendung mit der Maus

Nach dem Tod von Peter Lustig, dachte ich ein bisschen über deutsches Kinderfernsehen nach. Ich fand Löwenzahn immer gut: Eine Show über einen alte Mann, der in einem Bauwagen ohne Klo lebt. Er sah immer sehr gepflegt aus, besonders für einen Mann, der sich nie baden oder auf Klo gehen konnte.

Vielleicht gab es sogar eine Folge, wo Herr Lustig das alles erklärt hat. Gut möglich: In Deutschland redet man offen über sowas. Zu offen, ehrlich gesagt.

Sendung mit der Maus
Photo thanks Christliches Medienmagazin pro via Creative Commons

Aber für mich war Löwenzahn die Nr. 2 unter den Kinderfernsehsendungen. Was heißt „war“, es gibt Löwenzahn immer noch. Fritz Fuchs lebt jetzt in dem Bauwagen ohne Klo. Er sieht auch gepflegter aus. Aber meine Lieblingskindersendung ist, wie für jeden Deutschen, die Sendung, die eine Beschreibung statt einen Namen hat: Die Sendung mit der Maus.

Jedes Mal wenn ich den Namen höre, spielt sich eine kleine Comedy Szene in meinem Kopf ab. Ganz nach der beliebtesten Szene Amerikas (es bedarf Baseball Kenntnisse):

„Na Kinder, was schaut ihr?“

„Die Sendung mit der Maus.“

„Ach so, Mickey Mouse or Tom und Jerry?“

„Nein! Die Sendung mit der Maus!“

„Mickey oder Tom und Jerry?”

„NEIN, DIE SENDUNG MIT DER MAUS!“

Ich ging immer davon aus, dass die WDR Produzenten viel zu viel mit Fernsehproduktion beschäftigt waren, um sich einen Namen auszudenken. Die Sendung mit der Maus ist genauso alt wie meine Frau und hat sich nie geändert, wie Else Kling aus der Lindenstraße.

In der Sendung mit der Maus geht es darum, Kindern zu zeigen, wie Sachen produziert werden. Jeans. Teebeutel. Atomreaktoren. Alltagsgegenstände. Es wird in mehreren Teilen erklärt, damit die besagte Maus – orange und animiert – zwischendurch in Begleitung eines blauen Elefantens auftauchen kann.

Das wirft natürlich eine Frage auf: Warum heißt die Sendung nicht, Die Sendung mit der Maus und dem Elefanten.

Weil der Elefant einen nichts taugenden Agenten hatte. Deswegen. Wäre er mein Agent, hätte ich ihn gefeuert.

Die einfache Formel von Sendung mit der Maus reicht jetzt für mehr als vier Jahrzehnte Fernsehen. Es funktioniert, weil man etwas lernt und danach eine kleine Pause machen darf. In der Pause schaut man zu wie ein Elefant sich in die Luft jagt oder wie eine Maus Jeans anprobiert. Spannend!

Sendung mit der Maus am Sonntag

Es wird jeden Sonntag ausgestrahlt und ist vielleicht deswegen Schuld an dem schrumpfenden Interesse an Gott. Jeder schaut die Show mit einer Beschreibung als Namen, statt in die Kirche zu gehen und zu lernen wie Gott, Jesus und der Heilige Geist ein und der selbe Gott sind. Vielleicht sollte die Sendung mit der Maus dieses Puzzle erklären. Aber dann hätte ich Angst vor den Mausanimationen.

Die meiste Spannung in der Sendung mit der Maus kommt am Anfang, wenn sie eine Vorschau von der bevorstehenden Sendung machen. Erst wird auf Deutsch erklärt und dann kommt exakt das Gleiche in einer nicht genannten Fremdsprache. Ganz Deutschland schreit Sprachen in Richtung Fernseher wie Beleidigungen: „Französisch!“ „Finnisch!“ „Rudi Karrel-isch!“ bis die Sendung mit der Maus das Rätsel löst.

„Ich wusste, dass es griechisch war. Ich wollte einfach nichts sagen“, sagt dann jeder Vater.

Ich weiß, dass Peter Lustig mal bei Sendung mit der Maus gearbeitet hat aber ich weiß nicht, ob Löwenzahn und Sendung mit der Maus sich jemals getroffen haben. Es wäre aber super: Die Maus könnte dann erklären wie ein erwachsener Mann in einem Bauwagen ohne Klo leben kann.

Das frage ich mich mein ganzes erwachsenes Dasein.

 

 

 

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